Die 10 Gebote - ein Kombipaket Freiheit?

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von Andi Saluz
Jugendarbeiter Kirche Neuhof

10 Gebote und Freiheit? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, müssen wir uns in einem ersten Schritt mit dem philosophischen Begriff Freiheit auseinandersetzen. Oberflächlich gesehen würden vermutlich viele Menschen Freiheit als absolutes autonomes Handeln und Entscheiden bezeichnen. Doch diese «Definition» muss scheitern. Sind wir doch als Säugling, von unseren Eltern, später von der Wirtschaftslage oder der politischen Sicherheit abhängig. Also von anderen Menschen. Selbst wenn wir wie Christopher McCandless unser ganzes Geld verbrennen und in die Wildnis ziehen, sind wir letztlich von der Natur, ihren Launen und Gaben abhängig. Absolute Freiheit im oben angedachten Sinn gibt es nicht. Dies wäre auch absurd, den als soziale Geschöpfe wurden wir in ein Dreieck, bestehend aus Individuum, sozialem Kollektiv und der Schöpfung hineingeboren. In diesem Sinne ist Freiheit nur innerhalb dieser Konstellation zu finden.

Jesus lehrt uns, an dieser Freiheit festzuhalten. Wenn wir nun die Bergpredigt und ihre Antithesen in unseren weiteren Gedankengang miteinbeziehen, sehen wir, dass Jesus die 10 Gebote nicht aufhebt, sondern diesen eine moralische Schärfe verleiht. Stärkt also Jesus die 10 Gebote, darf man die Verbindung zur Freiheit ziehen. Denn, wer wie Jesus die Freiheit an seine Person bindet, dessen Lehren müssen konsequenterweise im Sinne dieser Freiheit interpretiert werden. Lehrt Jesu also nun, dass wir nicht Ehebrechen, Morden oder Begehren sollen, dann tut er dies auch im Kontext der Freiheit. Mit anderen Worten: Freiheit ist da, wo der Mensch seine Emotionen zum Wohle des anderen kontrollieren kann. Denn wer sich sein Handeln (primär) an seine Gefühle bindet, kann in Gottes grossem Heilsplan keine Rolle spielen. Denn der Mensch ist in seinem Ebenbild dazu berufen die Schöpfung zu bebauen und zu bewahren. Gott gab dem Menschen eine Art Stellvertreterrolle um auf der Erde für Gerechtigkeit und Frieden zu sorgen. Dies gelingt nur, wenn wir fähig werden, die eigene Person, wie auch das Gegenüber als sich selbst eigenverantwortliche Kreaturen wahrzunehmen und aus diesem tiefen Bewusstsein heraus ethisch zu handeln. Gott gab dem Menschen in den 10 Geboten eine Art Richtlinie mit, um dieser hohen Aufgabe gerecht zu werden. Achten wir, wie in den 10 Geboten verlangt, unsere Mitmenschen und uns selbst, im Lichte unseres guten Schöpfers, haben wir die Chance ein Menschsein zu leben, in dem sich jeder frei entfalten darf. Freiheit bedeutet deshalb für mich mir in der Tiefe meiner Seele meiner Abhängigkeit wie auch meine Eigenverantwortung wahrzunehmen. Gegenüber mir, der Schöpfung, dem Schöpfer und den Geschöpfen. In den beiden Tafeln der 10 Gebote fordert Gott mich dazu heraus.

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