Stinkende Sporttasche

Kolumne


von Basil Höneisen
ETG Erlen

«Ist doch logisch», denkt jetzt der eine oder andere – ich kann euch sagen: So dachte ich auch. Doch auf unerklärliche Art und Weise wollte es mir lange nicht gelingen, ihrem Wunsch nachzukommen. Zu lange schon pflegte ich dieses Ritual, das ich mir über Jahre bereits im Elternhaus mühelos angeeignet und während den wilden WG-Zeiten gefestigt hatte. Für mich persönlich war das nie ein Problem. Der Trick ist nämlich ganz einfach: Bleibt die Tasche geschlossen, bleibt der Gestank drinnen. Da gefriert jedem normal Sterblichen  wahrscheinlich augenblicklich das Blut in den Adern. Verstehen werden mich wohl höchstens Mitglieder eines Sportvereins, die mit derselben Prise Leichtlebigkeit gesegnet sind wie ich. Wenn man um 23 Uhr nach dem Training nach Hause kommt, findet nun mal nicht jeder die Motivation, auch noch seine Sporttasche auszuräumen. Zu denen gehöre ich. Oder besser gesagt: gehörte ich. Meine Frau lehrte mich in Bezug auf dieses Problem dasfür mich bis vor kurzem gar keines war, etwas Disziplin. Ich kann es bis zu mir hören: Aufatmen bei den einen, tiefes Seufzen bei den anderen.

Wenn ich etwas in meinem ersten Ehejahrgelernt habe, dann dies, dass es meine Frau nicht böse, sondern gut mit mir meint. Sie versucht nämlich, unsere Beziehung so ausgeglichen wie irgend möglich zu gestalten. Nämlich so, dass sich ihre Komfortschale und meine Komfortschale die Waage halten. Eine herumliegende Sporttasche sorgt dafür, dass diese Beziehungswaage aus der Balance gerät. Unser Bund der Ehe beginnt zu schlingern. Keine Angst – nur ganz leicht -  – aber wir wissen ja, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings tatsächlich in einem Sturm enden kann. Also Vorsicht, achten wir darauf, wie wir mit unseren «Flügeln» schlagen.

Als Christen befinden wir uns in einem Bund mit Gott. Jesus hat für uns gesühnt, damit wir wieder in Balance mit Gott leben können. Was für eine Gnade! Er hat alles investiert, damit die Waagschalen wieder auf gleicher Höhe sind und so der schwebende Zustand, sinnbildlich für eine gute Beziehung, überhaupt möglich ist. Im Unterschied zum Ehebund habe ich bis hierhin überhaupt nichts dazu beigetragen. Gottes reine Liebe ist es, welche die gebrochene Beziehung zwischen ihm und mir wiederhergestellt hat. Heisst das, ich kann mich jetzt bequem zurücklehnen? Die Balance steht doch! Nein. Damit die Balance erhalten bleibt, braucht es immer beide Seiten; die Ehe ist das beste Beispiel. Gott hat bereits alles getan. Jetzt bin ich dran. Damit wir als ETG-Gemeinden einen Unterschied in dieser Welt ausmachen, müssen wir investieren. Und dabei geht es nicht primär um Geld. Es geht vor allem um Zeit. Nehmen wir uns die Zeit, unsere stinkigen Sporttaschen zu versorgen. Nehmen wir uns die Zeit, in das Leben mit Gott und unseren Mitmenschen zu investieren.

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