Von Tischmanieren und Gottes Gnade

Kolumne


von Basil Höneisen
Bricht Regeln nur im Sport

Die Zehn Gebote – das hört sich streng an. Streng und konservativ. Schon die wenigen Tischregeln meiner Mutter bereiteten mir Mühe: Ellbogen gehören nicht auf den Tisch. Die Füsse auch nicht. Grundsätzlich wird alles aufgegessen, mindestens aber der Salat. Kekse gibt es maximal zwei, dasselbe gilt für die Schoggitäfeli (die einzelnen Stücke einer Schokoladentafel). Nein, das Messer wird nicht mit der Zunge gesäubert und ja, die Gabel gehört in die linke Hand. Was für mich heute ganz normal ist, war früher eine echte Herausforderung. Wobei ich zugeben muss, dass ich die letzte Regel - Gabel links und Messer rechts - bis heute nicht richtig beherrsche. Mich überrascht, wie schnell ich diese Regeln aus der hintersten Ecke meines Gehirns hervorholen konnte – schriftlich gab es sie nämlich nicht. Aber wie bekam das meine Mutter bei vier Kindern hin? Durch die ständige mündliche Erwähnung. Mal leise, mal weniger leise, aber mit beeindruckender Konstanz. Einmal pro Tag, sieben Mal pro Woche. Im Schnitt. So kam es mir zumindest vor, wenn ich so darüber nachdenke.  Was war das Ziel? Eine angenehme, gesellschaftstaugliche Familienkultur. Das hat sie geschafft, würde ich jetzt mal behaupten. Nicht nur sie – auch die Mutter meiner Frau hat das sehr gut hingekriegt. So kommt es, dass wir schon im ersten Ehejahr ähnliche Tischmanieren pflegen, ähnlich wie geschätzte 80 Prozent der europäischen Bevölkerung auch. Also nichts Besonderes, muss das Fazit wohl lauten.

Wie ist das mit den biblischen Zehn Geboten? In christlich geprägten Ländern wie Deutschland und der Schweiz müsste der Prozess doch ähnlich aussehen. Das Prinzip ist dasselbe: Jemand erklärt uns die Regeln, wir versuchen, diese umzusetzen und geben das Gelernte weiter. Im Grunde genommen funktioniert das ja auch über weite Strecken. Nicht lügen, nicht stehlen, nicht morden – sich so zu verhalten ist in unserer Kultur zum gesellschaftlichen Konsens geworden. Doch damit können wir noch nicht sagen, dass wir nach den Regeln Gottes gemäss der Bibel leben. Von den Zehn Geboten, die uns Gottes Wort gibt, habe ich ja erst die am ehesten Umsetzbaren genannt. Die «Einfachsten», wenn man so will. Es sind diejenigen, die unabhängig vom christlichen Gedankengut unter gewissen Umständen strafrechtlich verfolgt werden. Doch was ist mit «Du sollst neben mir keine anderen Götter haben»? Wie schnell versetzen wir Gott zugunsten des Geldes, des Erfolgs oder menschlichen Beziehungen auf Platz zwei, drei, vier. Wie steht es mit «Du sollst nicht die Ehe brechen»? Jesus sagt in Matthäus 5, 28: «Ich aber sage euch, dass jeder, der fortwährend eine Frau ansieht, um so in Leidenschaft zu ihr zu entbrennen, in seinem Herzen schon mit ihr Ehebruch begangen hat.» Spätestens dann, wenn man davon ausgeht, dass dieses Gebot für beide Geschlechter gilt, gibt es wohl keinen Menschen mehr auf der gesamten Erde, der nicht schon einmal die göttliche Lebensordnung missachtet hätte.

Ich habe noch nicht einmal alle Zehn Gebote genannt, und schon geraten wir ins Schleudern.

Fazit? Erstens, die Regeln der Mama lassen sich nicht mit denjenigen der Bibel vergleichen. Daraus lässt sich ein weiterer Punkt ableiten: Wir alle sind Sünder, egal, ob wir die Lebensordnungen Gottes einmal oder tausend Mal gebrochen haben. Vor Gott kann so keiner bestehen. Deshalb brauchen wir Jesus, weil der Sohn Gottes Mensch wurde. Er steckte in menschlicher Haut und lebte vollkommen in der göttlichen Ordnung. Als einzige Person, die je durch den Staub der Welt ging und gehen wird. Vor Menschen und vor Gott komplett unschuldig, starb er am Kreuz – für uns. Damit erfahren alle, und zwar wirklich alle, die an Jesus glauben, Gottes Gnade. Dieser Fakt ist mindestens genauso wichtig, wie ein Leben nach den Zehn Geboten. Also - lasst uns beides weitergeben.

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