Das Ringen um die treffenden Worte


von Ichya und Marianne Mahamadou
AT Bibelübersetzer SIM

Die Bibel in eine andere Sprache zu übersetzen ist eine herausfordernde, faszinierende und äusserst spannende Arbeit! Die Tamajaq – für die wir das AT übersetzen - sind ein Nomadenvolk welches verstreut über mehrere Länder in Nord-und-West Afrika lebt. Tamaiaq ist eine Berbersprachen und hat Gemeinsamkeiten mit Arabisch und Hebräisch.  

Einheimische Übersetzer spielen in jedem Projekt eine zentrale Rolle. Marianne hat am Anfang mit Moslems gearbeitet. Spätestens da wurde uns bewusst, dass letzlich auch wir den Text oft durch eine von unserer eigenen Kultur, Sprache und Weltanschauung geprägten Brille lesen!

Im 2. Buch Mose werden die Israeliten als stur, in Hebräisch ‚halsstarrig‘, beschrieben. Der einheimische Übersetzer hatte nur eine französische Bibel zur Verfügung und schlug ‚rebellisch‘ vor. Obwohl korrekt, verwarfen wir den Begriff, da er hauptsächlich mit bewaffneter Rebellion assoziiert wird. Im Text geht es jedoch um eine Herzenshaltung. Eine wörtliche Übersetzung, wie es im Deutschen möglich ist, würde den Sinn nicht wiedergeben. Nach langem Diskutieren und Suchen fanden wir einen entsprechenden Ausdruck: ‘aḷam ixraman’; ein schlecht dressiertes Kamel. Es ist unfolgsam, eigensinnig und lässt sich nicht von seinen eigenen Wegen abbringen. Wer schon mal auf so einem Kamel gesessen hat, weiss wovon ich rede!

Ichya ist immer wieder erstaunt wie Nahe sich Hebräisch und Tamajaq stehen! Manchmal kann er fast wörtlich übersetzn. So in 2. Mose 33,11: Der HERR aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund redet. Im Vers 20 erhalten wir folgende Information von Gott: ‚Mein Angesicht kannst du nicht sehen`. Wie ist das nun mit dem Gesicht?  Im Wesentlichen geht es um die Art der Beziehung. Es ist eine direkte Beziehung ohne einen Vermittler und es herrscht Transparenz. Das ist für die Tamajaq auch deshalb klar, weil sie einen Turban tragen und ein Grossteil des Gesichtes gar nicht sichtbar ist. Augenkontakt wird aus Respekt vermieden, v.a. wenn man mit jemandem spricht, der älter ist.

Ichya’s Hebräisch Studium kommt ihm auch zugute, um auf Worte in Tamajaq zu stossen, die selten gebraucht werden und drohen verloren zu gehen. Lange hatten wir kein exaktes Wort für ‚Weisheit‘. Es wurde umschrieben mit ‚jemand der intelligent ist‘ oder ‚jemand der etwas versteht‘. Vor ein paar Jahren wurde Ichya zur Rolle und Bedeutung von Weisheit in der Tamajaq Kultur interviewt. Später kam ihm in den Sinn, dass es ein Wort für ‚Weisheit‘ in Tamajaq gibt, das die gleiche Wurzel wie das Hebräische hat. Dieses Wort wurde nur von älteren oder gebildeten Leuten gebraucht. Bei Tests rund um das Buch Prediger bestätigte sich, dass ‚ǝlxikmat‘ von allen verstanden wird!  

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