Ein heisses Eisen

Stellungnahme zum Thema Homosexualität


von Thomas Dauwalter
Verbandsleiter Bund ETG

Immer wieder wird die Frage an uns als Bundesleitung gestellt: „Wird es in absehbarer Zeit von euch eine schriftliche Stellungnahme zum Umgang mit Menschen geben, die gleichgeschlechtlich empfinden?“ Im Folgenden will ich einige grundlegende Aspekte nennen, weshalb wir derzeit keine schriftliche Stellungnahme zu diesem heiklen Thema abgeben wollen, sondern das Gespräch darüber bevorzugen.

Wenn es um diesen Bereich geht, wird nicht nur in den sozialen Medien scharf und oft unter der Gürtellinie gegeneinander geschossen. Ich schäme mich über manchen Beitrag aus dem christlichen Lager. Dabei geht es mir nicht einmal primär um die Inhalte, sondern um das „Wie“ der Kommunikation und die Art, wie die Bibel interpretiert wird. Andersdenkende werden in Schubladen gesteckt. Entweder in die engstirnige, fundamentalistische oder in die Schublade der im Denken Verirrten, welche die Bibel nicht mehr ernst zu nehmen scheinen. Statt dass wir als Gemeinden vormachen, wie man mit solchen Differenzen umgehen kann, werden wir Teil des Kulturkrieges.

Wir müssen uns gerade bei solchen Themen an einen Tisch setzen und bestenfalls Betroffene einladen, um ihre Geschichte zu hören. Damit meine ich, dass wir einander zuhören, Argumente abwägen lernen und grundsätzlich eine Offenheit für die Meinung der anderen aufbringen. Aber auch Demut an den Tag legen, wenn wir die Bibel auslegen. Homosexuell empfindende Menschen haben von Gott genauso Würde empfangen wie wir alle. Aus diesem Blickwinkel ist es zentral, keine Hierarchien im Zusammenhang mit Sünde aufkommen zu lassen. Barmherzigkeit und Klarheit müssen dabei Hand in Hand gehen. Und es gilt: „Die Gemeinde muss der barmherzigste Ort der Welt sein“, wie es ein Kollege unlängst ausdrückte. Ich frage mich, was dies im Zusammenhang mit der genannten Thematik in der Praxis bedeuten könnte.

Bis gegen Ende des letzten Jahrhunderts war praktizierte Homosexualität eine Straftat. Dreht man das Rad der Geschichte weiter zurück, wurden praktizierende Homosexuelle eingesperrt und teilweise sogar hingerichtet. Was hätte damals der Satz bedeutet, dass die Gemeinde der barmherzigste Ort der Welt sein muss?  Was würde er heute im Umgang mit so empfindenden Menschen bedeuten? Was würde Jesus zu ihnen sagen, aber auch zu Neidbolzen, Verleumdern oder zu denen, die ihre Familien dem Erfolg opfern?

Diese Zeilen bergen die Gefahr in sich, dass Sie, liebe/r Leser/in, interpretieren, die Bundesleitung befürworte, wenn gleichgeschlechtlich empfindende Menschen dies ausleben. Noch einmal: bleiben wir miteinander im Gespräch. Rüsten wir uns mit Barmherzigkeit und Klarheit. Vielleicht entsteht auf diesem Weg der Kommunikation irgendwann ein Papier, das nach Geburtswehen, mit Stöhnen, Seufzen, Weinen und Lachen entstanden ist.

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