Gastfreundschaft - ein bewährter täuferischer Wert


von Heinz Fuchs

Gastfreundschaft hat die Geschichte der Täufer ganz wesentlich geprägt. Manchmal waren die Täufer selber als Flüchtende, Gäste bei anderen. Andere Male gaben Täufer Flüchtenden oder Verfolgten ein Zuhause. Zur Zeit der Reformation waren sie Gäste bei manchen Landesherren, während sie in anderen Gegenden grausam verfolgt wurden. Sie flüchteten ins Elsass, nach Holland und später viele in die USA und nach Kanada. Unser Gemeindegründer, Samuel H. Fröhlich, war die meiste Zeit seines Wirkens ein Reisender, als Gast unterwegs. 100 Jahre später fanden nach dem Krieg viele aus dem Balkan vertriebene Donauschwaben Gastgeber in Österreich und Deutschland. Das war der Ursprung des ETG-Hilfswerkes HILFE. Unsere ETG-Gemeinde in Ludwigsburg wurde damals zu einer Unterkunft für Geflüchtete, eine Anlaufstelle für sehr viele. Mein Großvater hat auf seinem Bauernhof in Waldsteig (Vorläufer der ETG Lindenwiese) von den Nazis verfolgte Menschen versteckt.

GOTT selbst tritt in Psalm 23 als Gastgeber auf. Er deckt den Tisch und füllt den Becher. Im Orient herrscht seit den ältesten Zeiten große Gastfreundschaft. Der Fremde, der sonst nahezu rechtlos und vogelfrei war, wurde als Gast aufgenommen.

Gastfreundschaft - sie gehört bis heute zur Identität der ETG, auch zu der der ETG Ludwigsburg. Unter anderem machen wir in der Gemeinde immer mal wieder ein Losverfahren für Besuche am Sonntagmittag („Lass dich überraschen, wer heute kommt...“). Wir lieben unser „Tischlein-deck-dich“, wo jeder etwas zum Essen mitbringt. In den letzten Jahren wurde die ETG Ludwigsburg wieder zu einer Anlaufstelle für Geflüchtete. Dieses Mal aus dem Süden, dem nahen und ferneren Osten. Kostenlose Deutschkurse, gemeinsames Essen und Freizeitaktivitäten, Unterstützung bei Behördengängen, Glaubenskurse in einfacher Sprache. Während dem Corona-Lockdown in Ludwigsburg fand eine kleine Familie aus Eritrea bei uns zuhause für drei Monate neue Gastgeber. Hausmeister der ETG Ludwigsburg ist eine wegen ihrem Glauben verfolgte Familie aus dem Iran.

Gast-Freundschaft - dem Gast Freund sein - auch dem fremden Gast. Gast-Geber sein - dem Gast geben, was er braucht. Wir alle sind auf der Reise. Mal Gast, mal Gastgeber. UNTERWEGS. Das ist aus gutem Grund der Name unserer ETG-Veröffentlichung. Unterwegs bin ich Gast. „Wir haben hier keine bleibende Stadt“ sagt die Bibel. „Fremdlinge“ würde Luther uns nennen. Und doch zuhause. Beim Vater angekommen. Geborgen in der Gemeinschaft, die zu einem Zuhause für unsere Gäste werden kann.

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