Gott ist auch ein Architekt


von Helena Gysin

In allem, was wir tun Reich Gottes bauen

Du baust als Architekt Häuser und in der Gemeinde Reich Gottes. Was für Parallelen siehst du?

Sowohl als Architekt als auch in der Gemeinde baut man für Menschen. An beiden Orten geht manchmal der Blick auf die Menschen verloren und ein „lässiger Bau“ steht im Vordergrund. Gemeinden müssen sich in achtnehmen, dass sie nicht nur eine tolle Kirche für sich selber bauen, sondern Menschen in Lebenskrisen hilfreiche Antworten und Begleitung geben.

 

Was fasziniert dich an deinem Beruf?

…dass man das Resultat anfassen kann und dass es eine gewisse Beständigkeit hat. Mein Beruf ist aber auch sehr kommunikativ, ich suche zusammen mit Bauherren nach Antworten auf aktuelle Fragen wie Einsamkeit, Kleinsthaushalte. Wir haben schon diverse genossenschaftliche Bauprojekte realisiert, das gefällt mir. In der Bibel gibt es einige eindrückliche Bauten. Nach ein paar Seiten Menschheitsgeschichte der unrühmliche Bau des Turms zu Babel, später begegnen wir Gott als Architekten des Tempels… Es begann schon vor dem Turmbau: Gott ist Schöpfer, Künstler! Gott kommt mir als bauender Gott entgegen (Stiftshütte, rituelle Gegenstände), heute baut er seine Gemeinde. Er verwendet dazu „lebendige“ Steine, also uns Menschen.

 

Zürich, Hamburg, Düsseldorf – vermutlich sind deine Tage gefüllt, warum baust du trotzdem an Gottes Reich?

 Ich denke groß und bete wie Jabez: Erweitere mein Gebiet. Das berufliche Engagement ist für mich kein Widerspruch, ich will „vorne“ mitspielen. Daneben predige ich gerne; das zwingt mich in die Tiefe des Wortes Gottes einzutauchen. Wenn ich das nicht täte, würde ich lau werden.

 

Wann hast du in deinem Berufsalltag erlebt, dass Gott dir den Impuls für die Lösung eines scheinbar unlösbaren Problems gegeben hat?

Das erlebe ich häufig! Das hat aber auch damit zu tun, wie ich das Verhältnis zwischen Glauben und Leben sehe. Für mich ist das keine Pyramide, ich sehe das als Kreis: Gott ist im Zentrum, darum herum alle Lebensbereiche wie Ehe, Familie, Gemeinde, Beruf etc. Egal was ich tue, ich baue Reich Gottes. Entscheidend ist die Beziehung, der Blick zu IHM. Im Alltag erlebe ich immer wieder, dass Gott mir konkret Lösungen zeigt, auch schon detaillierte Vorgehensweisen durch Träume.

 

Up – ist das Jahresthema des Bundes: Was tust du persönlich, damit sich dein Blick nach Oben nicht im Gewusel des Alltags verliert?

Es ist ein Kampf dran zu bleiben – wie in jeder Beziehung. Ich höre Predigten, verbringe Zeit alleine, vor Gott. Ich sorge dafür, dass der geistliche Grundwasserspiegel einen gewissen Pegel hat, dann verträgt es auch kürzere Trockenzeiten.

 

Momentan ist der Begriff „Generation Lobpreis“ in aller Munde. Er sagt, dass der Glaube von jungen Christen in erster Linie durch den Lobpreis vertieft und gestärkt wird. Auf welchem Weg findest du Zugang zu Gott?

Nicht unbedingt über Musik, eher über Bilder und Geschichten. Und gerade habe ich erlebt, dass ein Mann fasziniert war von einer biblischen Geschichte, er fragte nicht: „Wo kann ich sie nachlesen?“ sondern „Gibt es dazu einen Film?“ Ich glaube auf solche veränderten Tatsachen müssen wir zeitgemäße Antworten finden.

 

Hast du jemals eine Predigt gehalten deren Inhalt mit Wucht zu dir selber gesprochen hat?

Ja, ganz eindrücklich am 8. Januar 2015. Ich predigte über Jakob, den „Fersenhalter“, den Manipulator, den Betrüger, der alles selber in die Hand nahm. Mir wurde deutlich: Ich muss nicht selber kämpfen, ER kämpft für mich. Und wenn du die Arme oben hast, wie Mose, dann kannst du gar nicht selber kämpfen…

 

Was wünschst du den Menschen in den verschiedenen ETG-Gemeinden im Blick auf ihre Beziehung zu Gott?

Mehr Intimität. Kolosser 1,17 gefällt mir: Jesus – alles in allem! Ich wünsche uns, dass unsere Lebensbereiche voll mit Gott durchtränkt sind, wie ein vollgesogener Schwamm. Ob wir am Sonntag predigen, im Alltag einen Fachvortrag halten oder mit unseren Kindern zusammen sind. Wir bauen Reich Gottes, egal was wir tun.

 

DAN SCHÜRCH: 43 Jahre jung, verheiratet mit Simone, drei Kinder. Hochbauzeichner, später Studium an der technischen Fachschule, Assistent an der ETH. 2007 gründete er in Zürich ein eigenes Architekturbüro unter dem Namen Duplex Architekten. Er engagiert sich in der Gemeindeleitung und im Predigtdienst der ETG- Bachenbülach.

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