Gott legte ihm seine Hand auf die Schulter

Im Netz der Esoterik gefangen


von Helena Gysin

François Strauss hat schon als Kind begonnen zu Gott zu beten, dennoch war er später in der Esoterik und den Klauen Satans gefangen. Helena Gysin hat nachgefragt, wie er frei kam.

François - Wie kam es dazu, dass die Esoterik und die alternative Medizin dich so sehr in ihren Bann zogen?

Ich denke, dass schon in meiner Kindheit der Grundstein dafür gelegt wurde. Meine Mutter befragte Geistheiler wenn es mir nicht gut ging. Schon als Kind hatte ich äußerst feine Antennen. Ich ging oft in den Wald und schüttete vor Gott dem Vater mein Herz aus, aber Jesus kannte ich nicht. Während meines Studiums zum Drogisten HF begann das Übernatürliche mich immer mehr anzuziehen. Ich studierte Homöopathie, vertiefte mich in die chinesische Medizin, in esoterische Praktiken und dabei wurde ich hellsichtig (übersinnliche Wahrnehmung).

Wie sah dein Alltag aus?

In der Zwischenzeit war ich ein erfolgreicher Drogist. Oft bildeten sich Warteschlangen, wenn ich an der Theke der Drogerie stand. Ich wollte den Menschen helfen – die Arbeit erfüllte mich. Ich wurde für viele Menschen zum Guru und verführte sie zur Esoterik.

Gab es auch die andere Seite der Medaille: Leere, Verzweiflung, Sehnsucht?

Erst als der Teufel begann, mir seine Rechnung zu stellen. Ich wurde physisch und psychisch krank, hatte Herz- und Magenschmerzen. Alb- und Angstträume plagten mich. Das Blut in meinen Adern fühlte sich an wie heißes Blei. Ich litt unsäglich. Das ist die Masche des Teufels: Eine Zeit lang braucht er dich, nützt dich aus und dann haut er dich in die Pfanne, treibt dich ins Elend, macht dich kaputt.

Spielte Gott damals in deinem Leben irgendeine Rolle?

Für mich gab es keinen Zweifel, dass Gott der Schöpfer von allem ist. Wenn ich als Teenager die Reformierte Kirche besuchte, fühlte ich mich dort zuhause. Wenn ich die Orgelmusik hörte, hätte ich jeweils weinen können. Gott sprach immer wieder zu mir – nur hatte mich die andere Macht voll in ihrem Besitz.

Was brachte dich an den Punkt, dass du die Herrschaft wechseln wolltest?

Mein Leiden wurde immer grösser, die körperlichen Symptome stärker – ich spürte förmlich, wie ich zu sterben begann. Als unser Jüngster geboren wurde, sagte ich zu Gysela: „Ich werde nicht mehr lange leben.“ Dabei war es Gysela, die mir als Erste eine Lebensberechtigung gab. Wir waren uns gegenseitig Familie. Von allem Anfang an haben wir miteinander gebetet. In dieser Zeit hatten wir den Wunsch, einen Gottesdienst zu besuchen. Eine gläubige Familie aus unserem Umfeld lud uns in die FEG-Murten ein. Wir wurden dort herzlich willkommen geheißen. Ich empfand die Gegenwart des Heiligen Geistes als extrem präsent. Der Pastor predigte über einen Epheser-Text und mir wurde krass bewusst: Ich diene dem Teufel.

Was war nötig, dass du dich von der Esoterik abgewandt und Gott zugewandt hast?

Gysela und ich kauften uns ein Neues Testament und begannen regelmäßig zusammen Bibel zu lesen. Solange ich die Bibel aufgeschlagen hatte, waren alle Symptome weg, schlug ich sie zu, waren sie wieder da. Dann besuchten wir gemeinsam einen Alphalive-Kurs. Für mich völlig unvorbereitet, übergab Gysela eines Abends ihr Leben Jesus. Ich dagegen begann, alle meine Sünden aufzuschreiben. Meine Last wurde immer schwerer. Dennoch fand ich mich unwürdig, vor Gott zu kommen und bat ihn, dass er einen Schritt auf mich zu tun solle. Im Ostergottesdienst 2000 legte sich eine warme kräftige Hand auf meine Schulter. Ich wandte mich um, niemand war da, aber ich hörte Gott zu mir reden: ‚Heute ist dein Tag. Wenn du diesen Schritt heute nicht tust, wirst du nie mehr die Kraft dazu haben.‘

Was hat dich am meisten berührt als du diesen Schritt gewagt hast?

Dass meine Seele Frieden fand, ein Zuhause. Als ich meine Sünden unter Schluchzen bekannte, floss eine Wärme durch meinen Körper, alles in mir begann zu heilen. Es wurde alles neu, seither bin ich nicht mehr getrieben und besessen.

Was wünschst du dir für die Leser des ETG unterwegs?

Ich wünsche mir sehr, dass unter uns Christen die Sehnsucht grösser wird nach Beziehung zu Gott. Es geht nicht darum Kopfwissen anzueignen, sondern darum Beziehung, Intimität zum Dreieinigen Gott zu pflegen. Bleibt in mir und ich in euch. (Joh. 15.4)

 

FRANÇOIS STRAUSS (54) verheiratet mit Gysela. Sie haben drei erwachsene Kinder. Er war Drogist (HF), studierte später Theologie am TSC St. Chrischona und ist seit 2015 Pastor in der ETG Weinberg, Rüti. In seiner Freizeit kümmert er sich als Imker um 20 Bienenvölker.

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