Hölzernes Glück

Kolumne


von Basil Höneisen
Hat nichts gegen Holz aber klopf

Vereinsausflug. Rund 70 Mitglieder unseres Sportvereins haben sich angemeldet, um zusammen "Bubble-Soccer" zu spielen. Das ist eigentlich ein ganz normales Fussballspiel, nur steckt jeder Spieler in einem riesigen, transparenten Ball. Diese Rüstung erlaubt es dir, deine Gegenspieler mit voller Wucht von den Füssen zu holen. Und glaub mir – das macht Spass. Ein solcher Vereinsevent bietet gute Gelegenheiten, seine Kolleginnen und Kollegen besser kennenzulernen. Als ich nach meinen ersten beiden Spielen das Geschehen vom Spielfeldrand aus beobachtete und nebenbei Gott dankte, dass ich bis anhin noch nicht mit der Ambulanz abgeholt wurde, kam ich ins Gespräch mit einem alten Freund. Einer, den ich schon immer mochte. Ein ruhiger, relativ rationaler Typ, der die Menschen so nimmt, wie sie sind. Ich erzählte ihm, dass ich die Motorradprüfung absolvieren und mir dann ein dickes "Baby" zutun möchte. Er selbst ist begeisterter Motorradfahrer und besitzt eine schöne Harley. Damit hat er gar die Prüfung absolviert und gleich bestanden. Ob er denn jemals mit dem Gerät umgefallen sei, fragte ich ihn. "Bis jetzt noch nie, nicht einmal gekippt", sagte er, liess ein erschrockenes "Oh!" folgen, ging schnell zur Holzbande, die das Spielfeld umrundet, berührte sie, kam zurück und sagte: "Jetzt hätte ich fast vergessen, das Holz anzufassen." Äh. Wie bitte? "Wir wollen ja das Unglück nicht heraufbeschwören."

Aha. Holz anfassen, um das Böse nicht zu wecken. Das ist schräg. Ich kannte dieses "Ritual" schon vorher von einigen Leuten aus meinem Umfeld. Trotzdem überraschte es mich, dass sich auch mein alter Freund davon leiten lässt. Er, der sonst gar nicht der Typ für Dinge ist, die nicht sichtbar sind. Und jetzt hilft es ihm, Holz anzufassen? Wie können Menschen eher an die Wirkung von Holz statt an einen Gott glauben? Es fällt mir schwer, das zu verstehen. Es ist doch viel einfacher, an einen allmächtigen Gott zu glauben als an helfendes Holz! Das sagte ich meinem Freund auch und fragte ihn, woher denn das Holz anfassen (oder Holz klopfen) komme. Er wusste es nicht, wie auch niemand von den anderen, die daran glauben und die ich nach dem Ursprung gefragt habe. Ich wollte wissen, woher es stammt und schlug das grosse Buch des Internets auf. Nebst praktischen Erklärungen gibt es auch diejenige, die auf den Glauben an Geister zurückführt: Wenn man etwas über sein Glück sagte, wie gut es einem gerade ging, hatte man Angst, dass böse Geister es einem neiden würden und Unheil stiften könnten. Mit dem Holz klopfen konnte man verhindern, dass die bösen Geister das Gesagte hören.

Unsere Gesellschaft goutiert meiner Meinung nach eher solche Glaubensrichtungen, als dass sie einen allmächtigen Gott als Schöpfer der Erde akzeptiert. Ich finde es schön, nicht ans Glück glauben zu müssen. Unsere DNA beruht nicht auf Zufall, sondern auf Christus. Und der ist alles andere als hölzern. Der ist echt.

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