Komm, Heiliger Geist!


von Markus Hunziker
Mitglied der Bundesleitung

Es ist eine unglaubliche Story! Nachdem Jesus drei Jahre mit seinen Jüngern unterwegs gewesen war, mit ihnen gelebt, gebetet, gefeiert, gelehrt und gewirkt hatte, ging er zu seinem Vater zurück. Auf einem Hügel rief er sie zusammen, auch die, die zweifelten. Er übergab ihnen seine Mission, beauftragte sie, diese weiterzuführen und sandte sie dazu in die Welt. Dann ging er zu seinem Vater zurück (Matth. 28,16-20). Was für ein Ausdruck von Vertrauen!

 

Der versprochene Helfer

Innerhalb weniger Jahrzehnte breitete sich die frohe Botschaft vom Frieden mit Gott bis über die Grenzen des römischen Reiches aus; ohne den Einsatz von Waffen und bekämpft von den Mächtigen. Was in diesen Jahrzehnten und in den folgenden Jahrhunderten geschehen ist, ist nicht von dieser Welt.

Genauso hatte es Jesus vorausgesagt. In Johannes 14,16 versprach er seinen Jüngern den Heiligen Geist als Helfer, als Beistand. Johannes gebraucht für ihn den Begriff Parakletos. Im griechischen Kontext war dies auch der Anwalt der Todgeweihten, der die Angeklagten in die Freiheit führt; der das möglich macht, was ihre Möglichkeiten sprengt. Jesus versprach, dass dieser seine Jünger lehren und ausrüsten würde (V. 26). Durch ihn würden sie zu seinen Zeugen werden, ausgehend von Jerusalem bis ans Ende der Erde (Apg. 1,8). Und eines ist sicher: Wohl kaum einer der Jünger konnte sich vor Pfingsten vorstellen, wie wörtlich sich diese Ankündigung erfüllen würde.

 

Gottes Macht zeigt sich

„Auf die Dauer hilft nur Power“, sage ich ab und zu. In der Apostelgeschichte illustriert uns Lukas eindrücklich, wie der Heilige Geist einfache Menschen an Gottes großer Geschichte zur Erreichung der Welt beteiligte. Immer dort wo die Nachfolger Jesu mit ihrem Latein am Ende waren tat ER das Entscheidende. Am Pfingstfest bevollmächtigte er Petrus zu einer Predigt, die Unzählige berührte, und bewirkte, dass sie sich Jesus zuwendeten. Einfache Menschen verkündeten Jesu Botschaft in Sprachen, die sie nie gelernt hatten. Für Skeptiker war sichtbar und spürbar, wie Jesus im Heiligen Geist in ihrer Gemeinschaft gegenwärtig war. Menschen erfuhren, wie Gott spricht und auf ihre Gebete antwortet, Wunder wirkt, Menschen beruft, befähigt und sendet. In klaren Träumen, Visionen und Eindrücken wurden Hungersnöte vorausgesagt und Apostel zu Menschen geführt, die auf Gottes Botschaft warteten. Nachfolger Jesu fanden ihre Berufung. Auf Gebet hin wirkt der Heilige Geist, dass Kranke heil und Gebundene frei werden. Wo Christen Repression und Gewalt erlitten, stärkte sie der Heilige Geist, wirkte als Tröster und Beistand in Folter und Martyrium. Befähigt und bevollmächtigt durch den Heiligen Geist trugen und tragen einfache Menschen bis heute die frohe Botschaft vom Frieden mit Gott ans Ende der Erde. Der Heilige Geist zeigt sich als gestaltende Hand Gottes in der Mission der Welt.

 

Gottes Mission

Nach ihm sehne ich mich und hoffentlich wir alle. Aber wonach sehnen wir uns genau? Brennen wir dafür, dass dieser Geist uns befähigt und sendet, auch dorthin, wo uns dies aus der Komfortzone führen würde?

Nochmals: Der Heilige Geist ist der Wind Gottes in unseren Segeln. Er lässt uns mit Gott zu den Menschen aufbrechen. Doch in unserer Kultur ist „the Pursuit of Happiness“, das Streben nach persönlichem Glück, zum alles dominierenden Prinzip geworden. Alles muss sich primär gut anfühlen. Könnte es im Hinblick auf den Heiligen Geist sein, dass wir ihn als Kinder einer glückgeilen Gesellschaft zum Spezialisten für schöne religiöse Gefühle degradieren? Zum Organisator spektakulärer Shows oder zum „Verglücklicher“, anstatt ihn als Befähiger und Stellvertreter Jesu zu sehen, der uns zu Menschen führt? Wo wir ihn von der „missio dei“, von Gottes Mission zur Erreichung der Welt, lösen werden Glaube und Gaben zur Selbstbeschäftigung, wie das Paulus bei den Korinthern ansprechen musste.

„Komm, Heiliger Geist!“ bitte und bete ich mit Überzeugung. „Um mich herum und in mir ist noch so viel Land, das bis jetzt nicht Gott gehört. Richte mich und uns auf Gottes Geschichte und auf seinen Willen aus! Begabe, befähige und fülle unsere leeren Hände. Komm, Heiliger Geist, wir brauchen dich!“

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