Lass los!

Kolumne


von Erwin Weibel
Pastor, ETG-Diessbach

„Lass los, Erwin, vertraue dich mir ganz an“, so höre ich es leise in mir - immer wieder. Doch loslassen ist gar nicht so einfach, lieber habe ich selber die Kontrolle. Seit einigen Wochen buchstabiere ich einen Bibeltext, der von meinem lieben, manchmal etwas komplizierten Bruder Paulus stammt. Er hat ihn an die Römer geschrieben (Röm. 8,18ff).  Er ist fest davon überzeugt, dass die gegenwärtigen Leiden nichts sind im Vergleich mit der „hammersuperguten“ Zukunft, die wir mit Jesus verbringen werden. Das tröstet und ermutigt mich.

Herausfordernd finde ich hingegen, dass er ein wenig später dazu auffordert, im Gebet so loszulassen, dass der Heilige Geist, der Situation angemessene Worte formt! Also übe ich mich im Loslassen und bete in einer mir unbekannten Sprache, die ich seit Jahren eher unterdrücke, als fördere. Mich so auszuliefern, fällt mir schwer. Doch der geistliche Mensch ist wohl nur dann geistlich, wenn er sich dem Heiligen Geist anvertraut - kommt mir da in den Sinn. Wenn Gott den Raum einnimmt, erfahre ich, wie mir der Geist auf eine fremde Art von innen heraus „gut“ tut. Ja, ER weiß, was ER tut! Denn alle Dinge, so schreibt Paulus weiter, will Gott bei denen, die ihn lieben zum Guten führen.

Szenenwechsel – Sonntagmorgen – Gottesdienst – Lobpreis – Liedtext: Wir knien vor dir, wir knien vor dir. „Erwin lass los, vertraue mir! Vor Gott knien, mit deinem Körper zum Ausdruck bringen, dass du einen Herrn und Heiland hast, ist gut und tut gut.“ Und tatsächlich, es ist gut und tut gut! Jedenfalls eine Zeitlang - bis sich mein Knie schmerzend bemerkbar macht.

Szenenwechsel – Dienstagmorgen – Büro – Emails – Impuls: „Ruf an, schreibe nicht“. Ich: „Wirklich?“ Ich zögere kurz, gehe dem Impuls nach und ich werde Zeuge davon, wie der Geist guttut.

Und damit wird meine Überzeugung bestätigt: Der geistliche Mensch ist nur dann geistlich, wenn er sich dem Geist anvertraut. Der Geist macht uns vom Wesen her Jesus ähnlicher (Galater 5,22). Er will uns führen (Joh. 16,13). Er begabt uns (1.Kor 12-14). Er gibt uns Kraft um Zeuge Jesu zu sein (Apg.  1,8). Er schenkt Worte der Ermutigung, der Auferbauung und der Ermahnung (1.Kor 12,3). Er ist am Wirken in uns und um uns herum, schließen wir uns ihm an!

Der Heilige Geist ist ein Gentleman, er schreit nicht, er drängt sich nicht auf. Er ist leicht zu überhören und wegzudrücken. Er nimmt nur so viel Raum ein, wie wir ihm zur Verfügung stellen. Darum meine Brüder und Schwestern: „Legt dem Wirken des Heiligen Geistes nichts in den Weg!“ (1. Thess. 5,19). Lasst los und vertraut ihm!

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