Leben teilen - Taufgedanken


von Daniel Siegfried
Pastor Evangelisation

„Taufst du auch kleine Kinder?“ fragte mich heute ein Ehepaar, das ich vor einem Jahr vermählt habe. Dabei hält die Frau stolz ihren kleinen Jungen auf dem Arm, der vor einigen Monaten geboren wurde.  Der Junge mit seinen wunderschönen Augen strahlt mich an, sein Blick trifft mich mitten ins Herz. ‘Warum eigentlich nicht mal eine Ausnahme machen und auch ein solch süßes Baby taufen?’ - fragt kurz eine Stimme in mir ...

Ich bin landeskirchlich aufgewachsen und wurde vor fast fünfzig Jahren als Kleinkind getauft. Jahre später ließ ich mich dann als junger Erwachsener, mit viel Gegenwind von Seiten meiner Familie, nochmals taufen. Auch aus diesem Grund bin ich vor gut 30 Jahren in die ETG Diessbach gekommen und geblieben. Die Taufe ist für mich bis heute die wichtigste geistliche Erfahrung in meinem Glaubensleben geblieben. Und - ich habe mir die Taufe wieder in die Gegenwart meines Lebens geholt. Denn dieser Schritt hat im Hier und Jetzt eine große Bedeutung für mich. Die Taufe vergegenwärtigt mir täglich, dass Jesus mich trotz meiner Fehlerhaftigkeit sucht und ich ihn immer wieder neu finden und entdecken darf. Sie erinnert mich an meinen „alten Adam“, der immer noch ab und zu aus dem Wasser auftaucht und wieder untergetaucht werden muss. Aber vor allem erinnert sie mich daran, dass ich von Gott geliebt bin, so wie ich bin!  Brauchen wir denn mehr zum Leben als zu wissen, dass Gott uns liebt?

Bernhard Ott schrieb in einem Artikel zur Taufe folgende Worte, die mir bis heute viel bedeuten: Manche Dinge verstehen wir nur, wenn wir sie erleben. Dazu will Erlebnispädagogik verhelfen. Ich glaube, Gott ist ein guter Erlebnispädagoge. Die Taufe ist vielleicht seine genialste Erfindung. Sie bietet die Möglichkeit, mit allen Sinnen Christ zu werden – nicht nur im Kopf oder im Herzen, sondern mit Leib und Seele. ... So, wie Gott Noah durch die Flut, Israel durchs Meer und Jesus durch den Tod hindurch gerettet hat, so kann und will er auch dich und mich durch die Todesflut hindurch retten. Wer Jesus vertraut, wird mit ihm durch den Tod hindurch in ein neues Leben gehen. Das ist das Evangelium. Diese Dramaturgie der Errettung wird in der Taufe abgebildet: Im Eintauchen ins Wasser erlebe ich mein Sterben und im Auftauchen aus dem Wasser die Auferstehung zu einem neuen Leben. Der Vollzug der Taufe ersetzt nicht meinen Glauben, aber die Taufe stärkt meinen Glauben. Das ist Gottes geniale Erlebnispädagogik.

Unser Gott ist ein Gott des Lebens. In der Taufe wird das Natürliche mit dem Übernatürlichen verbunden; das Irdische mit dem Überirdischen vereint und nicht, wie so oft in anderen Religionen, getrennt. Da fühle ich mich, mit meinem ganzen Menschsein angesprochen, ernst genommen und unabhängig meiner momentanen Umstände, tief von Gott geliebt.

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