Tagung für Älteste und Gemeindeleitungen

Lernen von Jesus und den Vätern


von Helena Gysin
Mitglied Bundesleitung

Wie geht es dir mit dem Beten und dem Bibellesen? Das ist eine entscheidende Frage, gerade für Menschen in Leitungsaufgaben. Das Ehepaar Ulrike und Wolfgang Bittner, beide Theologen, nahmen die 110 anwesenden ETG-ler mit auf eine spannende geistliche Reise. Müdigkeit beim Bibellesen und Beten sei oft ein Resultat davon, dass man nach der immer gleichen Methode vorgehe, sagten sie. Wolfgang appellierte: „Werdet zu hörenden Menschen.“ Der Glaube kommt aus der Predigt, aus dem Hören, lehrte Paulus. Landläufig würden Christen aber ausschließlich über biblische Texte nachdenken, statt auf sie zu hören. Einen Text langsam, laut und wiederholt zu lesen, das nähre das Innere und ermögliche eine Begegnung mit dem dreieinigen Gott. Lectio divina ist ein alter Begriff aus der kirchlichen Tradition der Wüstenväter. Er beschreibt das betende Nachdenken (Meditieren) über Bibeltexten. Eindrücklich demonstrierten Bittners anhand bekannter Geschichten, wie viel tiefer wir durch innehalten, ‚schmecken‘ und ‚sehen‘ in biblische Wahrheiten eintauchen können.

Eine weitere Schlagseite konstatierten die beiden auch bei unserer gängigen Art des Betens. Wolfgang gab den Ratschlag: „Schließt die Bibel nicht zu, nachdem ihr sie gelesen habt. Nehmt den gelesenen Bibeltext als Leitlinie für euer Gebet.“ Wenn wir Gottes Wort lesen, ‚murmeln‘ und ‚kauen‘, lassen wir es reichlich unter uns wohnen, so die Überzeugung Bittners. Manche Impulse der Referenten führten zu regen Reflektionen und Gesprächen der Teilnehmer/innen während den Mahlzeiten.

Am Samstagabend fand die jährliche Mitgliederversammlung der beiden Vereine statt. 14 Personen vertraten die acht deutschen Gemeinden, 43 die 19 Schweizer Gemeinden. In diesem Jahr wählten die Delegierten Helena Gysin (51), als erste Frau, in die Bundesleitung. Sie wird in ihrem Dienst im Bund ETG den Schwerpunkt auf die Kommunikation legen. Unter anderem hat sie bereits seit Anfang des Jahres die redaktionelle Leitung der internen Publikation ETG unterwegs von Martin Bracher übernommen.

Weiter wurde sowohl der Rechnung, wie auch dem Budget der beiden Vereine, ohne Gegenstimme zugestimmt. Zum Schluss der Versammlung lancierte Thomas Schnyder eine kontroverse Diskussion zur Frage, ob es an der Zeit wäre, dass der Bund eine befristete Stelle für eine(n) Lobpreisverantwortliche(n) schaffen würde. Der Anlass im Waldhotel Raitelberg gab reichlich Möglichkeit zu Gesprächen und Begegnungen über Gemeinde- und Landesgrenzen hinweg. Das Abendmahl und auch die Segensgebete für alle „Neuen“ im Gottesdienst am Sonntagmorgen veranschaulichten die Dimension des Reiches Gottes. Nach dem letzten, vorzüglichen Essen am Mittag erklang manch: „Auf Wiedersehen im nächsten Jahr!“

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