Wachsen, stagnieren oder sterben


von Dieter Trefz
Vereinsvorsitzender ETG Deutschl

Ist es möglich, dass eine Gemeinde wachsen kann? Das ist die Frage, die ich mir schon lange gestellt habe. Die Antwort lautet: Ja, es ist möglich. Wenn wir an Gemeindewachstum denken, so ist es nicht nur zahlenmäßiges Wachstum. Quantitatives Wachstum ist die Folge von qualitativem Wachstum. Schnelles Wachstum von Gemeinden ist in Deutschland und der Schweiz selten. In anderen Ländern, gibt es jedoch viele wachsende Gemeinden und Gemeindewachstumsbewegungen. Gerade in den letzten Jahren gibt es Gemeinden, die offensichtlich die Bedürfnisse der Menschen erkennen und ihnen Antworten auf ihre Lebensfragen geben. Die Statistik zeigt auf, dass das Wachstum von Kirchen in anderen Kontinenten schneller vorangegangen ist als in Europa.

Zahlen aus unserem Bund  

Ich habe über Jahre hinweg Statistiken über die Mitgliederzahlen der Gemeinden geführt und festgestellt, dass unser Verband nur zögerlich wächst. Ich möchte euch kurz einen Einblick in diese Entwicklungen geben:

Im Jahr 1993 hatten wir als Bund ETG eine Gesamtmitgliederzahl von 2537, im Jahr 2019 sank die Mitgliederzahl auf 2282. 1984 gab es insgesamt 34 Gemeinden, inzwischen sind es nur noch 27 Gemeinden. Neun Gemeinden wurden aufgelöst, vier neue sind entstanden, beziehungsweise haben sich unserem Bund angeschlossen. Die durchschnittliche Gemeindegröße betrug im Jahr 1993 rund 70 Mitglieder, im Jahr 2019 waren es 87 Mitglieder. Die größten Gemeinden im Bund ETG haben zwischen 180 und 209 Mitglieder.

Vom Wachstum waren aber nicht alle Gemeinden betroffen. Nebst wachsenden Gemeinden gibt es im Bund solche, die immer weniger Mitglieder haben. Ehrlicherweise müssen wir uns eingestehen, dass die Erhöhung der durchschnittlichen Anzahl der Mitglieder durch das Wachstum einzelner Gemeinden entstanden ist.

Blick in die Zukunft

Ich möchte mit diesen Zahlen folgende Trends festhalten: Zwischen wachsenden und nichtwachsenden Gemeinden öffnet sich eine Schere. Manche Gemeinden wachsen schneller als andere, manche Gemeinden haben kein Wachstum oder schrumpfen. Wachsenden Gemeinden wird oftmals vorgeworfen, dass es nicht nur um quantitatives Wachstum gehen kann. Wie ich oben schon erwähnte, spielt sich qualitatives und quantitatives Wachstum nicht gegeneinander aus. Dabei sehen wir gerade bei jungen Gemeindebewegungen quantitatives Wachstum in Verbindung mit qualitativem. Beides geht Hand in Hand. Wir tun uns in unseren Breitengraden schwer damit, Wachstum zu provozieren, zu produzieren oder zumindest anzustreben. Wir verbinden quantitatives Wachstum sofort mit einem Qualitätsverlust oder einem stolzen, unbiblischen Streben.

Weiter stelle ich fest, dass sich die Statistik an Gemeindegliedern orientiert. Die heutigen Tendenzen zeigen uns, dass wir eigentlich auch eine Statistik führen sollten über die Gottesdienstbesucher am Sonntag. Wachsende Gemeinden haben normalerweise mehr Besucher als Mitglieder. In wachsenden Gemeinden sind zudem nicht nur Mitglieder, sondern auch schon Besucher in verschiedene Dienste involviert.

Eine ernüchternde Tatsache ist: manche Gemeinden werden sterben. Wenn unser Verband nicht grundlegend in eine Wachstumskurve einschwenkt, so wird in wenigen Jahren die Anzahl der Gemeinden im Bund ETG bedeutend sinken. Es geht hier um das Überleben des Bundes. Darum müssen wir die verschiedenen Situationen und Ausgangslagen in den Gemeinden verstehen, damit wir uns gegenseitig unterstützen und helfen können.

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